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Fünf statt fünzig!Auf dem Fahrradfrühling in Pinneberg Anfang April starteten wir die Kampagne "Fünf statt fünfzig!". Der ADFC Pinneberg fordert, dass die Stadt 5 Euro pro Einwohner in den Radverkehr investiert, statt wie bisher lediglich 50 Cent. Das ist nicht utopisch. Das ist der Betrag, der von Elmshorn und Hamburg ebenfalls investiert wird. In Kopenhagen sind es hingegen 40 bis 50 Euro, in Groningen sogar 100 Euro pro Einwohner. Traumhafte Verhältnisse, für Pinneberg leider auf absehbare Zeit nicht erreichbar.

Was ist der Hintergrund dieser Kampagne?

Vielerorts parken in Pinneberg Pkw im öffentlichen Straßenraum. Offenbar besitzen viele Pinneberger ein oder mehrere Autos, ohne selbst über den nötigen Parkraum zu verfügen. Der ADFC Pinneberg hat über das Pinneberger Stadtgebiet verteilt einige Stichproben gezählt und hochgerechnet, wie viele Autos auf öffentlichen Straßen geparkt werden. Auf 11,33 km ausgezählter Straßenlänge parkten 380 Fahrzeuge, das sind im Durchschnitt 3,35 Kraftfahrzeuge pro 100 Meter Straße. Diese Zählungen erfolgten tagsüber. Abends und nachts, wenn die meisten Bürger zu Hause sind, ist mit deutlich mehr Fahrzeugen am Straßenrand zu rechnen.

Das Straßennetz von Pinneberg ist 130 Kilometer lang. Hochgerechnet sind es also 4.355 Fahrzeuge, die in Pinneberg öffentlichen, kostenlosen Parkraum in Anspruch nehmen. Kostenlos - für die Nutzer. Natürlich muss dieser Straßenraum bezahlt werden. 4.355 Fahrzeuge - das entspricht einer Parkfläche von etwa 120.400 Quadratmeter oder fast 17 Fußballfeldern.

Auf der Nordseite des Pinneberger Bahnhofs wurde im vergangenen Jahr eine neue Park & Ride-Fläche gebaut. Die Anlage kostete fast 800.000 Euro und hat eine Fläche von 4.160 Quadratmeter. Ein Quadratmeter kostete also 192 Euro, dazu kommt der Bodenwert von geschätzt 300 Euro pro Quadratmeter. Ebenso muss der Unterhalt dazugerechnet werden. Da Pinneberg chronisch leere Kassen hat und viel Geld geliehen werden muss, kommen entsprechend Zinsen hinzu.

Für einen Parkplatz am Straßenrand muss man etwa 12-16 Quadratmeter veranschlagen. Ohne Unterhalt und Zinsen kommen also etwa 6.000 bis 8.000 Euro pro Parkplatz zusammen. Selbst wenn man den Grunderwerb außen vor lässt und run 200 Euro pro Quadratmeter Straßenfläche für die Erstellung veranschlagt, wenn man dann von 40 Jahren Abschreibung ausgeht (wie das beim Finanzamt für Privathäuser üblich ist), kommt man auf 5 Euro pro Quadratmeter Straßenfläche. Die nötige Reinigung schätzen wir auf 2 Euro (private Winterdienste kosten zwischen 1 und 3 Euro pro Quadratmeter). Die Kosten eines Quadratmeters Straßenfläche summiert sich also auf 7 Euro. Bei 16 Quadratmetern pro Parkplatz (am Straßenrand wird meist eher großzügig geparkt) kostet ein Parkplatz also 112 Euro pro Jahr.

Wir haben gezeigt, dass etwa 4.355 Kraftfahrzeuge im öffentlichen Raum parken. Pinneberg subventioniert also die Parkflächen für diese Fahrzeuge mit etwa 500.000 Euro im Jahr. Zur Erinnerung: Hier geht es nur um den Teil der Straßenflächen, die durch das Parken verloren gehen. Zum Vergleich: Für den Radverkehr wird laut Haushaltsplan nur 1/10 dieser Summe, nämlich 50.000 Euro bereitgestellt. Für diesen Betrag müssen Wege angelegt und instandgehalten werden, auch Abstellanlagen müssen davon finanziert werden. Selbst wenn nach 40 Jahren Vernachlässigung bis 2019 tatsächlich 6 Millionen Euro in die Radverkehrsinfrastruktur am Pinneberger Bahnhof investiert werden, ist das mal gerade ein Viertel der jährlich für die kostenlosen Parkflächen im öffentlichen Straßenraum investierten Summe.

In diesem Ausmaß wird also der Autoverkehr versteckt gefördert. Dazu kommen natürlich noch Bau und Instandsetzung der tatsächlich für den fließenden Verkehr genutzten Flächen. Vergleicht man dies mit 50.000 Euro, die pro Jahr laut Haushaltplan für den Radverkehr veranschlagt werden, fällt das drastische Ungleichgewicht auf. Hier wird um jeden Euro gefeilscht, das Budget teilweise in den Bau von Parkplätzen investiert (dadurch bleibt dann der Radweg frei von parkenden Autos ...).

Über 1.000 Pinneberger Bürger und Bürgerinnen haben uns unterstützt und unserer Forderung mit ihrer Unterschrift Nachdruck verliehen. Vielen Dank! Am 1. Juli haben wir die Listen im Rahmen einer Radtour an Bürgermeisterin Steinberg übergeben. Nun ist die Stadt am Zug!